Ja, es ist wahr. Ich muss mich outen: Ich spiele Golf. Und als Golfspieler diesseits der 40 Jahre wird man auch gleich mit Vorurteilen wie dem des Alters konfrontiert. Deshalb will ich hier darüber schreiben, wie ich zu diesem Sport kam und vielleicht probiert es ja der ein oder andere Leser auch einmal aus.
Bei uns im Landkreis gibt es mittlerweile 2 Golfplätze und da wir im Sommer häufig auf einem Rad- und Wanderweg an einem dieser Plätze unterwegs sind, entstand bei mir die Idee, dieses Spiel mal zu probieren. Kann ja nicht so schwer sein. Die Spieler sind mehrheitlich eher gehobenen Alters unddie Belastung scheint gering zu sein. Dies sollte sich als eine Fehleinschätzung erweisen.
Als ich die Idee eines Schnupperkurses im Freundeskreis eröffnete war das Interesse sofort sehr groß, so dass wir uns Anfang Juli mit insgesamt 9 Personen für einen dreistündigen Schnupperkurs im Golfpark Heidehof anmeldeten. Unser Trainer Richard erläuterte uns zunächst die Grundzüge des Spiels und kurz darauf konnten wir selber Hand anlegen.
Wir standen also nebeneinander an den Abschlägen der Driving Range und probierten zunächst “halbe” Schwünge, wobei Richard uns fleißig korrigierte. Erstaunlicherweise konnten wir alle sehr schnell Anfangserfolge verzeichnen und wir schlugen einen Ball nach dem anderen. Jeder versuchte, den Ball möglichst weit zu “dreschen”, was sich auch schnell zu einer Schweißtreibenden Angelegenheit entwickelte. Sehr schnell merkten wir aber auch, dass die Kunst nicht darin besteht, den Ball möglichst hart zu treffen, sondern mit der richtigen Stelle vom Schläger. Hier hilft “viel” Kraft meistens nicht viel, außer bei der Entwicklung von Muskelkater.
Das Abschlagen der Bälle von einer erhöhten Stelle auf der Matte war nicht zu vergleichen mit dem Abschlag vom Gras. Hier wurde die Notwendigkeit eines guten Schwunges noch deutlicher, denn ansonsten gibt es nur fliegende Grasstücken und Löcher im Boden. Dagegen war das Putten auf dem PuttingGrün regelrecht entspannend und endlich konnten wir mal einlochen.
Nach drei Stunden und jeder Menge Spaß kamen wir übereinstimmend zum dem Ergebnis, dass der Sport viel Spaß macht und auch einiges an körperlicher Fitness abverlangt. Die nächsten beiden Tage hatte der eine oder andere auch noch mit Nachwirkungen in Form von Muskelkater zu kämpfen.
Mir selber hat der Schnupperkurs so gut gefallen, dass ich mich kurz darauf zu einem Platzreifekurs anmeldete. Dabei lernt man in 6 Wochen nicht nur das Schlagen, Pitchen, Chippen und Putten des Balles, sondern auch viele Golfregeln. Der erste Höhepunkt eines solchen Kurses ist erreicht, wenn man das erste Mal auf dem richigen Abschlag steht und einen Ball abschlägt oder zumindest versucht. Nach und nach findet man in das Spiel, findet sich in den Regeln zurecht und lernt, in welchen Situationen man welchen Schläger einsetzt. Das in diesem Training auch so mancher Ball verlorengeht, versteht sich wohl von selbst. So ein kleines Gewässer auf der Bahn kann plötzlich ganz schön groß werden. Nebenbei legt man auch noch zahlreiche Kilometer zu Fuß zurück.
Immerhin ist so eine Runde je nach Platz zwischen 6 und 10 Kilometern lang.
Mit der Prüfung am Ende des Platzreifekurses sollte dann bestätigt werden, dass man das Spiel grundlegend spielen, die Spielregeln anwenden sowie sich entsprechend der Etikette verhalten kann. Die Etikette bezeichnet hierbei lediglich verschiedene Regularien, um das Spiel fair und zügig in einem angemessenen Rahmen ablaufen zu lassen.
Mit war es in meiner praktischen Prüfung vergönnt, an einem Par 3 Loch mit nur 2 Schlägen den Ball einzulochen. Welch ein hervorragendes Gefühl. Leider blieb mir eine Wiederholung bislang verwehrt.
Mittlerweile war es September geworden und ich trainierte fleißig, um meine Technik zu verbessern. Hauptsächlich am Wochenende in den frühen Morgenstunden. Es ist fantastisch, wenn man morgens auf den Platz kommt und der Tau liegt noch auf dem Gras.Man konzentriert sich auf sein Spiel und bei jedem gelungenen Schlag überkommt einen ein Glüksgefühl. Ich will aber auch nicht verheimlichen, dass manchmal auch Frust aufkommen kann, wenn irgendwie nichts klappt. Dabei merkt man schnell, dass wildes, ungestümes Drauflosschlagen keine Lösung ist.
Doch nur trainieren war mir nicht genug, ich wollte Turniere spielen. Also meldete ich mich gleich mal für ein Turnier Mitte September an. Ich kam in einen Flight mit dem frisch gekürten Clubmeister, dem Vize-Clubeister, einem ganz jungen Spieler und einem nicht weniger guten vierten Flightpartner. Da war ich also, der Anfänger, stand am ersten Abschlag und schlug ab in mein erstes Turnier. Der Flight zeigte sich als hervorragende Zusammensetzung, denn ich konnte zum einen sehr viel lernen und zu anderen sah ich, dass auch bei einem Clubmeister nicht alles klappt. Es herrschte eine sehr gute Stimmung und am Ende hatte ich ein für mich recht zufriedenstellendes Ergebnis. Das Schöne am Golf ist nämlich auch, dass ein Anfänger und ein erfahrener Spieler miteinander und gegeneinander spielen können und sogar der Anfänger besser abschneiden kann. Möglich wird das durch ein spezielles Punktesystem, bei welchem die Leistungsstärken der Spieler berücksichtigt werden.
Nur zwei Wochen später bestritt ich bereits das nächste Turnier. Leider folgten dann auch schon bald Herbst und Winter und nun sitze ich quasi auf glühenden Kohlen und warte auf brauchbares Wetter, um wieder auf den Platz zu können. Zwar kann man das grundsätzlich das ganze Jahr, aber das hat bei mir dann doch noch nicht funktioniert. Aber es gibt ja zum Glück das heimische Wohnzimmer, wo man auch die eine oder andere Übung machen kann.
Zusammenfassend kann ich sagen, Golf ist durchaus was für jeden, der gerne Sport treibt, gerne an der frischen Luft ist und einen Ausgleich sucht. Ich habe festgestellt, dass persönliche Anspannung oder Stress mit Golf gut beseitigt werden können, da man sich hier auf ein Spiel konzentrieren muss, dass einem viel abverlangt. Da wäre auf der einen Seite die körperliche Beanspruchung durch Schlagen und Laufen und auf der anderen Seite die notwendige Konzentration auf das Spiel. Durch diesen Zusammenspiel bekomme ich sehr schnell den Kopf frei.
Also überprüft ruhig, was ich Euch hier erzähle und probiert es aus. Ihr werdet es nicht bereuen.

Hallo Lars,
habe mit Interesse Deine Geschichte vom Golfen gelesen. Im Winter, im Wohnzimmer über, das hört sich schon sehr infiziert an!? Aber meiner Frau und mir ging es genauso. Mittlerweile spielen wir schon drei Jahre und es macht immer noch Spaß. Wenn Du meine Geschichte, wie ich zum Golf kam, lesen möchtest dann schau einfach mal auf meiner Homepage vorbei.
Dann wünsche ich erst mal gutes Wetter und schönes Spiel.
Wobei, wie sagt der Golfer “Es gibt kein schlechtes Wetter nur schlechte Kleidung” in diesem Sinne……………
Gruß Werner